Donnerstag, 13. Januar 2011

Mehr als ein Gartenbuch: "Alys im Gartenland"


Würde ich nicht ohnehin schon jedes verfügbare Stückchen Erde begärtnern, hätte sie mich dazu gebracht. Denn ansteckender und unkomplizierter schreibt keiner über das Gärtnern. Alys Fowler, wie ich bekennende Anhängerin des "slow movements" und Gallionsfigur des slow gardening, weiß worauf es beim Gärtnern ankommt: auf das Gärtnern.

Das hört sich trivial an, ist es aber nicht. Denn der Spaß tritt bei vielen Gärtnern in den Hintergrund, angesichts der drohenden Schneckenplage, dem schiefen Blick des Nachbarn auf die Girsch-Invasion und dem ständigen Kampf um einen perfekten, englischen Rasen. Und dann kommt Alys.

Sie gibt unbekümmert Tips welche Pflanzen "von einem Büschel Unkraut" ablenken, erzählt von dem Wurmkompst in ihrer Küche und von kleinen, chaotischen Stadtgärten, die sie kennen und lieben gelernt hat.

Obwohl Alys durchaus eine Gärtnerin von Rang ist, mit beachtlicher Ausbildung in berühmten Gärten, finden diese hier keine Erwähnung. Viel inspirierender und prägender waren für sie die kleinen urban gardens in New York, die bepflanzten Eckchen in den Städten, die Gemeinschaftsgärten auf Stadtbrachen und die Kreativität, die Menschen bei der Bewirtschaftung dieser Klein- und Kleinstgärten an den Tag legten.

Alys macht damit Mut. Mut, einfach mit dem Gärtnern anzufangen. Egal wo, egal wann, egal mit welchem Ergebnis. Sie schreibt es sei besser, erst einmal ganz ungezwungen ein Eckchen im Hinterhof anzulegen, als alles auf einmal umgraben und gestalten zu wollen.

Sie erklärt sachlich und simpel die gröbsten Zusammenhänge von Erde, Anzucht und Pflanzenkauf - jedoch immer mit Rücksicht darauf, dass Gärtnern niemals eine Kostenfrage sein sollte.

Wer einen Balkon oder eine größere, gepflastere Fläche begrünen will, dem stand, angesichts der Preise für Töpfe und Kübel, vielleicht ja auch schon der Angstschweiß auf der Stirn. Damit macht Alys einfach Schluss: ein Gärtner braucht dieses ganze Equipment nicht! Salat lässt sich in alten Holzkisten ziehen und ein Kompost lässt sich mit den Brettern einer alten Palette zimmern. Es geht nicht darum, dass sie alle Menschen dazu aufrufen möchte, Müllcontainer zu durchforsten, bestimmt nicht. Sondern es geht darum klar zu machen, dass jeder gärtnern kann, unabhängig von äußeren Umständen oder seiner finanziellen Situation.

Vielleicht, - wirklich nur vielleicht! - erscheint so manchem besser betuchter Menschen, das Eine oder Andere, was Alys schreibt, fremd. Das ist auch nicht verwunderlich. Denn wer einen "richtigen" Garten und die finanziellen Mittel hat, sich alles Nötige zu kaufen, rümpft vielleicht die Nase über den verschmitzten Hauch Anarchie, der durch die Seiten dieses Buches weht. Das ist das Risiko, das Alys mit ihrem konsequenten Blick auf junges urban gardening eingeht.

Aber man kann sich auch einfach anstecken lassen von den Grundgedanken dieses Buches. Und dann ist es - auch wenn ich mich hierbei vielleicht weit aus dem Fenster lehne - weitaus mehr, als ein bloßes Gartenbuch. Es geht nämlich nicht nur um die Vermehrung von Zimmerpflanzen oder günstigen Einkauf im Gartencenter: sondern darum, dass jeder tun sollte, was er möchte. Weil er es kann. Und es immer einen Weg gibt.

Kommentare:

  1. du hast mich sehr neugierig gemacht, auf das buch.
    ich habe seit einiger eit ein "problem-eckchen" von dem ich nicht weiss, zieh ich dort gemüse, ist es rein dekorativ oder gestalte ich es völlig um. na, hört sich nicht sehr problematisch an, aber es steckt einiges mehr dahinter. ich schau mal, ob ich mir das buch (mein wievieltes gartenbuch?) besorgen kann. es scheint, als würde es mich weiterbringen können.
    lg
    alke

    AntwortenLöschen
  2. Sehr verlockend! Ich bin sowieso in unserer Gartenkolonie auf dem Weg zur Guerilla-Gärtnerin, da ich nicht den Normen der anderen Gärtner entspreche. Und genau das so liebe, was ich bei dir über das Buch lese. Ich vermute, dass ich es mir wohl kaufen muss. Vielen Dank für den Tipp! Lieben Gruß aus der Roesnerei

    AntwortenLöschen
  3. es scheint alys muss jetzt langsam auch mal in mein buchregal. nicht das erste mal das ich eine buchempflehlung über sie lese. danke sibylle

    AntwortenLöschen
  4. Ich habe dieses Buch auch gerade gelesen, aber so richtig was Neues steht da auch nicht drin. Im Grunde nur das, was man über's Gärtnern wissen sollte und alles ein bisschen Hippie mässig verpackt. Alles schon mal dagewesen.
    Lieben Gruß
    Elke

    AntwortenLöschen
  5. jetzt habe ich es trotzdem bestellt zusammen mit gärten in neuseeland von kerstin lammerting. sozusagen als vorbereitung.

    AntwortenLöschen
  6. ...hab ich mir jetzt auch gekauft (1A-Mängelexemplar für 8,64 inkl. Versand): sehr schönes Buch, das Freude macht beim Durchblättern, aber besonders viel Neues erfuhr ich als geübter Sperrmüllsammler nicht. Macht sich aber sehr gut im Bücherregal, daher vielen Dank für Deinen Tipp!
    Viele Grüße
    Daniel

    AntwortenLöschen
  7. Viele Male habe ich das Buch in der Buchhandlung bereits durchgeblättert, immer wieder positiv angetan von der Aufmachung des Buches. Was meinen Kaufimpuls dann wieder beruhigte, war der Inhalt. Vieles schon mal gehört, gelesen und ausprobiert. Könnte mir aber vorstellen eines Tages dann doch noch schwach zu werden, gerade bei einem Buchtipp wie diesen.

    AntwortenLöschen

Follower