Sonntag, 10. Oktober 2010

Gartenhunger


Der Oktober ist für mich ein besonderer Monat. Ich werde des Gärtnerns nicht satt, denn ich weiß, dass es der letzte "richtige" Gartenmonat ist. Natürlich kann man im November noch einiges tun, bestimmt auch im Dezember oder Januar (zumindest steht das in meinen Gartenbüchern) - aber wer will schon bei Minusgraden drei Stunden auf den Knien durch den Garten rutschen? Und welches Unkraut sollte dabei gejätet werden?

Ich habe noch immer traumatische Erinnerungen an die Entzugserscheinungen des letzten Winters: noch nie habe ich jemanden so schmerzlich vermisst, wie meinen Garten. Egal in welcher Lebenslage, egal bei welchem Problem, mein Gedanke war stets der gleiche: "ach, wenn ich jetzt gärtnern könnte!"
Ich konnte natürlich in den Garten. Aber um zu gärtnern hätte ich eine meterhohe Schneeschicht wegschaufeln müssen und hätte dann auch nur an der gefrorenen Erdschicht herumkratzen können. Das ist wenig ergiebig und sinnvoll und daher auch unbefriedigend. Ein Gärtner möchte Erde unter den Fingernägeln, schmutzige Knie, einen schmerzenden Rücken, welkes Laub in den Haaren und vor allem viel zu tun.

Es bleibt mir, wie allen anderen Gärtnern, daher nur eine Möglichkeit: ich muss mich im Herbst sattgärtnern und mir den Garten so herrichten, dass er mir einen wunderbaren Frühling schenkt, mit Schneeglöckchen und Krokussen an den ersten schönen Tagen. Und nein, ich werde das Gartenhäuschen jetzt nicht aufräumen. An irgendeinem Januartag werde ich dankbar sein, dass mir diese "gärtnerische" Tätigkeit wenigstens noch bleibt.

Doch was kann ich tun? Der "mein schöner Garten" - Newsletter empfiehlt den wohlüberlegten Staudenrückschnitt. Bei mir gibt es ihn nicht nur wohlüberlegt, sondern überhaupt nicht, auch wenn dadurch eine herbstliche Tätigkeit wegfällt. Das ist sinnvoller, denn in den Stängeln und Stielen der Pflanzen dürfen Insekten überwintern und in den Samenständen der verblüten Stauden dürfen sich Rauhreif und Schnee fangen. Den empfohlenen Rückschnitt der Strockrose habe ich dennoch vorgenommen, da sie dadurch länger leben soll. Auch die einjährigen Blumen wie meine Kapuzinerkresse, Ringelblumen, Schmuckkörbchen etc. bleiben noch auf den Beeten und blühen noch lange Zeit. Der erste Frost rafft sie schließlich dahin und sie bedecken dann schützend die Erde im Winter. "Geputzt" wird bei mir nichts vor dem Winter. Nur die Brennesseln und der Ampfer, die in den letzten Wochen zu gigantischen Pflanzen wurden, werde ich noch aus den Beeten ausbuddeln und neben den Kompost legen. Dort dürfen sie bei mir wachsen - dort sind nämlich keine Ritterspornpflanzen die von ihnen erdrückt werden und kein Ziersalbei der unter ihnen an Schwindsucht leidet. Die Erde wird von langlebigem Unkraut befreit, anschließend kalke ich sie und bedecke sie mit einer Mulchschicht.

Es werden im Oktober auch die Blumenzwiebeln gesetzt. Je früher sie gesetzt werden, um so früher werden sie im Frühling blühen, auch wenn das für ein frühblühendes Schneeglöckchen wichtiger ist, als für eine spätblühende Triumphtulpe. Tulpen und Narzissen kommen bei mir in die Beete, alles andere, etwa Muscari, Schneeglöckchen, Krokusse, Wildtulpen, Schneestolz, Winterlinge etc. dürfen auf den Rasen und die Wildflächen. Ein paar Zwiebeln pflanze ich in Töpfe, denn kaum etwas erfreut das Herz mehr, als ein paar Krokusse auf der Fensterbank oder dem Balkon!
Im Gemüsebeet sind Grünkohl und Palmkohl sowie der Zuckerhut zu stattlichen Pflänzchen herangewachsen. Jetzt, Anfang Oktober, kann ich auch noch Feldsalat und Spinat säen.

Schlussendlich, im November, harke ich das Laub der Mirabelle zusammen und verteile es als mollig warme Winterdecke auch auf den Beeten. Dadurch ist der Rasen frei und fault im Winter nicht. Die verrückte wilde Clematis, den Sommerflieder - fast alles schneide ich im zeitigen Frühjahr zurrück. Der Rückschnitt bildet eine der ersten willkommenen Tätigkeiten im Frühjahr: das neue Gartenjahr beginnt, der Frühling wird kommen, ich darf den Sommerflieder schneiden!

Kommentare:

  1. Hallöchen. Dir macht dein Garten großen Spaß.
    Ist ja auch schön,ich liebe auch meinen Garten.
    Liebe Grüße Jana

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  2. sei herzlichst gegrüßt, auch bei mir wird nichts geschnitten im Herbst, in der natur rennt auch niemand mit der Gartenschere herum, alles hat seinen Sinn und so finden die Vögel und Insekten Samen , Schlupflöcher und auch Frostschutz , auch gönne ich den Boden und meinen Pflanzen eine Bettdecke aus Laub und verwelktem
    herzliche Grüße aus dem tagsüber sonnigen Noden und nachts ist es schon -4°C!!!
    Frauke

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  3. Ein wenig räumen wir schon auf, denn unser Garten ist sehr groß und hat viele Stauden. Das Laub reche ich regelmäßig zusammen und gebe es auf 2 - 3 große Häufen oder ich gebe auch etwas rundum die das Grundstück umsäumenden Hecken. Dann hat Kleingetier einen geschützten Platz, das möchte ich auf jeden Fall, denn in unserem Garten gibt es vier Igel in allen Größen. Einer lebt unter dem Holzstoß und hat sich dort ein Nest gebaut.

    Deine herbstlichen Fotos sind sehr stimmungsvoll.

    Ich hoffe, du hast meine mail erhalten?

    Lieben Gruss, Brigitte

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  4. Ach wie schön. Ich habe nämlich den Eindruck, dass alle Schrebegärtner um mich herum nur mit harken, schneiden und wegbringen beschäftigt sind. Und mein Instinkt sagt mir auch, dass ich alles lassen möchte wie es ist bis zum Frühjahr. Nichts schneiden. Laub auf den Beeten lassen. Genau wie du es sagst. Nun fühle ich mich bestätigt und freue mich auch schon wie verrückt auf das Frühjahr, wenn wir wieder "in die Vollen" gehen dürfen! Herzlichen Gruß Heike

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  5. Echte Entzugserscheinungen im Winter? Arbeitsanfälle im Oktober? Nein. Ich freue mich immer auf den geruhsamen Winter. Zeit für andere Dinge. Und Zeit zum Pläne machen - für den Garten natürlich. Und im Oktober bin ich so mit Ernten und Verarbeiten beschäftigt, dass die anderen Arbeiten im Garten alle liegen bleiben bis zum Frühjahr. Die Vorfreude auf die Erde unter den Nägeln und die Kreuzschmerzen, die kommt bei mir dann meistens Mitte Jänner. Aber da darf ich dann ja schon die Chilis vorziehen. Das hilft über so Manches hinweg;-)
    Liebe Grüße, Margit

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  6. "Ein Gärtner möchte Erde unter den Fingernägeln, schmutzige Knie, einen schmerzenden Rücken, welkes Laub in den Haaren und vor allem viel zu tun." - na, wer hat dir denn das erzählt? Auf den schmerzenden Rücken kann ich gut verzichten und auch der Rest kommt zwar von selbst, erscheint mir aber nicht unbedingt erstrebenswert. Und den Winter kann man doch prima nutzen, um neue Pläne zu schmieden und im Haus alle die Dinge zu erledigen, die im Sommer liegen bleiben.
    Lieben Gruß
    Elke

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  7. Wie... etwa nicht????
    Ganz erhlich, Elke, es wird dir im Winter bestimmt irgendwann fehlen!

    Für mich sind schmutzige Fingernägel und Knie sowie ganz viel Gartenarbeit der Idealzustand! ...Allerdings räume ich dir ein, liebe Elke, dass man sich über die Sache mit dem schmerzenden Rücken streiten kann... ^^

    Liebe Grüße,
    das Gartenmädchen

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  8. Hallo , ich habe deinen Bericht mit Interesse gelesen.In unserem Garten bleiben auch die Stauden und Sommerblumen auf den Beeten liegen.Kalken werde ich erst im Winter,direkt auf die Schneedecke .Am Wochenende stecke ich noch 2 Päckchen Narzissen.Liebe Grüße Inge

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  9. Ich kann das Gefühl sehr gut nachvollziehen, seinen Garten zu vermissen. In den kalten Monaten fehlen mir die Stunden im eigenen Garten auch. Besonders das Sitzen in meiner Nische und dabei ein Buch lesen. Aber bald kommt ja der Frühling. PS: Dein Garten sieht wirklich wundervoll 'wild' aus. LG Martina

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  10. Ich finde auch es gibt nichts schöneres als im Garten zu sitzen, die sonne zu genießen, zu grillen oder einfach nur nichts tun :)

    Dein garten ist auch wirklich schön. :)

    LG

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